Sei zuerst realistisch

Eine Vektor-Nachzeichnung folgt der Grenze zwischen Farben in den Pixeln, die du ihr gibst. Ist die Grenze unscharf, ist die Nachzeichnung eine Schätzung; ist eine Linie zwei Pixel breit, ist die Nachzeichnung eine zwei Pixel breite Schätzung. Keine Voreinstellung holt Details zurück, die nicht da sind. Die ehrliche Frage ist nicht „Welche Einstellung macht das schärfer?“, sondern „Habe ich irgendwo eine größere oder sauberere Version dieses Logos?“ – eine alte Druckdatei, eine E-Mail-Signatur, die Datei des ursprünglichen Designers. Jede davon ist besser als ein Vorschaubild.

Größer hilft nur bis zu einem gewissen Punkt: Bilder mit mehr als 2048 Pixeln an der langen Seite werden vor dem Nachzeichnen auf 2048 Pixel verkleinert, eine Vorlage in dieser Größe gibt dem Nachzeichnen also schon alles, was es nutzen wird.

Was JPEG mit einem Logo macht

JPEG komprimiert Blöcke von 8 × 8 Pixeln und verwirft feine Farbdetails. Bei Fotos sieht man das nicht; bei einem flachen zweifarbigen Logo entstehen Säume entlang jeder Kante (Lichthöfe in leicht falscher Farbe), Blockkanten in flachen Flächen und eine Wolke fast gleicher Farben, wo eine einzige sein sollte. Naiv nachgezeichnet kann jede dieser Fast-Doubletten zu einem eigenen zerfransten Pfad werden.

Ein kleines, blockiges JPEG eines Eulen-Logos vergrößert; dasselbe JPEG mit 3 Farben nachgezeichnet, sauber; und mit 12 Farben, mit Lichthöfen und Flecken

Unser Eulen-Logo, auf 128 px verkleinert und als JPEG mit Qualität 30 gespeichert (links, vergrößert, damit man die Pixel sieht). Mit 3 Farben nachgezeichnet, seiner echten Anzahl, kommt es als 13 saubere Pfade zurück (Mitte). Mit 12 Farben kehrt das Kompressionsrauschen als Lichthöfe und Flecken zurück: 11 Farben, 59 Pfade (rechts).

Das eingebaute Aufräumen

Jede farbige Nachzeichnung – die Voreinstellungen „Standard“, „Cricut / Vinyl“ und „Detaillierte Grafik“, mit oder ohne „Glatte Kurven“, aus einem JPEG oder einem schon flachen PNG – durchläuft dasselbe Aufräumen der Palette, bevor irgendetwas umrissen wird. Nur „Strichzeichnung / Schablone“ überspringt es, weil diese Voreinstellung das Bild stattdessen auf Schwarz und Weiß reduziert.

  1. Mit „Glatte Kurven“ werden kleine Bilder zuerst weich vergrößert, damit die Grenze zwischen zwei Farben zwischen den ursprünglichen Pixeln liegen kann und nicht auf ihrem Raster.
  2. Die Farben werden nur aus „inneren“ Pixeln gewählt – solchen in flachen Flächen, weg von den Kanten, wo die JPEG-Säume sitzen. Farben, die sich nur durch Kompressionsrauschen unterscheiden, werden zusammengelegt; eine kleine Farbe, die sich deutlich unterscheidet, etwa ein dünner Umriss, bleibt erhalten, solange die Farbanzahl es zulässt.
  3. Jedes Pixel wird einer der gewählten Farben zugeordnet. Bei Pixeln auf einer Kante wird zwischen den beiden Farben links und rechts davon entschieden, sodass ein Saum aus Zwischentönen nicht zu einer eigenen Farbe wird.
  4. Flecken mit weniger als 4 Pixeln übernehmen die Farbe ihrer Umgebung („Detaillierte Grafik“ behält kleinere; „Cricut / Vinyl“ ergänzt ein eigenes, stärkeres Aufräumen fürs Schneiden), damit Krümel nicht zu eigenen Formen werden.

Bei einem sehr großen, sehr verrauschten Bild kann dem Aufräumen die Zeit ausgehen; dann reduziert das Nachzeichnen die Farben auf einfachere Weise. Das ist selten.

Vorbereitung, die hilft

  • Vergrößere nur, wenn du danach auch aufräumst. Das Nachzeichnen vergrößert kleine Bilder schon selbst, bevor es Farbgrenzen wählt (Schritt 1 oben); ein Logo mit 300 Pixeln selbst auf 1200 Pixel zu skalieren, bringt also keine eigene Information. Es lohnt sich, wenn du das vergrößerte Bild danach von Hand reparierst – eine Kante begradigst, eine Lücke füllst, eine verirrte Markierung entfernst –, in einer Größe, in der das leichtfällt.
  • Reduziere die Farben selbst. Posterisiere oder indiziere das Logo in einem Bildprogramm auf seine echte Farbanzahl, ohne Dithering. Ein zweifarbiges Logo, als indiziertes PNG mit zwei Farben gespeichert, lässt sich fast perfekt nachzeichnen.
  • Füll den Hintergrund mit einer einzigen flachen Farbe (oder mach ihn transparent), damit das Entfernen des Hintergrunds ihn sauber herausnehmen kann.
  • Schneide eng zu. Artefakte am Rand und verirrte Markierungen nahe den Kanten verwirren die Hintergrunderkennung.
  • Speichere als PNG. Ein JPEG erneut als JPEG zu speichern, bringt eine weitere Runde Verlust.

Einstellungen für eine verrauschte Vorlage

Voreinstellung „Standard“, „Glatte Kurven“ an, Farben auf die echte Anzahl. Die Farbanzahl zu senken ist bei einem verrauschten Logo der wirksamste Regler überhaupt: Mit 3 Farben muss jedes Saum-Pixel einer von drei echten Füllungen zugeordnet werden – genau das Aufräumen, das du willst.

Wird kleiner Text unlesbar, erhöhe nicht die Farbanzahl – das kann Rauschen als zusätzliche Schattierungen zurückholen. Vergrößere stattdessen die Vorlage oder akzeptiere, dass Text unter etwa 10 Pixeln Höhe in einem Vektorprogramm mit einer Schrift neu getippt und über die Nachzeichnung gelegt werden muss.

Was du in der Vorschau prüfen solltest

  • Der Palettenstreifen zeigt nur die Farben deines Logos (plus Hintergrund).
  • Wenn Ebenen auf Nach Farbe steht, entspricht die Zahl der Pfade der Farbanzahl: Ein sauberes dreifarbiges Logo hat drei Pfade. Zeigt die Palette zwei fast gleiche Töne einer Farbe, senk die Anzahl um eins.
  • Zoom an die Kanten heran; eine leichte Weichheit ist nach dem Aufräumen normal, aber wackelnde Umrisse bedeuten, dass die Vorlage zu klein ist.